Samstag, 22. Dezember 2012

Yanthalbor - das neue Fantasy Epos von Rael Wissdorf



Seit einem Jahr warten Fans schon darauf, jetzt ist es endlich erschienen: das neue Fantasy Epos meines Carbonwelt-Biographen Rael Wissdorf , der ja ebenfalls Hauptautor der Simulacron Saga ist. Yanthalbor  wurde zum großen Teil bereits 1987 geschrieben, als erster Teil eines zweiteiligen Gesamtwerks mit dem Titel "Queste". Die beiden Autoren trennten sich jedoch kurz darauf und jeder nahm seinen Teil mit. Der zweite Teil behielt den Titel bei und sollte Basis eines Computergames werden, welches aber auch nie realisiert wurde. So lag Yanthalbor in einer rudimentären Form ohne richtigen Schluss seit Dekaden in der Schublade, respektive auf der Festplatte, wurde von Rechner zu Rechner, von System zu System mitgeschleift und konvertiert, bis er schließlich fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt war. Irgendwann stolperte Wissdorf über diesen Rumpf eines Romans und stellte beim überfliegen fest: "Potzblitz! Da sind hammergute Ideen und Abschnitte drin!" Ok, zugegeben: der Held ist nicht weiblich, hat keine roten Haare und stammt nicht aus London. Das ist natürlich ein eklatantes Manko, aber der Autor versöhnt uns dann trotzdem noch mit einer dunkelhäutigen Amazonin an seiner Seite, die in mancherlei Hinsicht für Überraschungen sorgt. Wissdorf sah also dieses unvollständige Skript und war der Auffassung, daraus könne er ohne viel Mühe etwas machen.
"Das war natürlich ein gewaltiger Irrtum", konstatiert er heute. "Ich war etwas simulacronmüde und brauchte einen neuen Stoff, um den Kopf frei zu kriegen, bevor ich an den zweiten Teil der Saga gehe. Also dachte ich, in etwa drei Monaten hätte ich einen fertigen Roman. Weit gefehlt! Es wurden eher 10 Monate, also fast ein ganzes Jahr. Im Prinzip musste ich dann doch fast alles neu schreiben, die gesamte Prämisse ändern und mehr recherchieren, als ich erwartet hatte. Das Fragment hatte ca. 180 Seiten, der gesamte Roman jetzt fast 500."

 

Worum geht's überhaupt in dem Roman?


Im Prolog werden wir mit einem etwas mürrischen Protagonisten konfrontiert, der offenbar eine längere Reise auf einer Galeere hinter sich hat. Nicht als Sklave - sondern als zahlender Passagier. Nichtsdestotrotz muss er ans Ruder, denn Sklaven gibt es hier wohl nicht. Ein wichtiges Detail. Bei der Ankunft in einer antiken Metropole bleibt er ungehalten, da er alles für "falsch" hält, warum wird uns Lesern nicht klar. Auch was sich unter seiner ominösen Augenklappe verbirgt und seinen Zeitgenossen wohl Entsetzen bereitet, wird uns wohlweislich verschwiegen. Schließlich findet dieser zunächst namenlose Protagonist das "Buch Yanthalbor" und beginnt, darin zu lesen.

Sofort ändert sich die Erzählperspektive, wir haben es jetzt mit einem Ich-Erzähler zu tun. Ein Mann, der völlig verwirrt in einer Eishöhle erwacht, völlig vergessen hat, wer er ist, und wie er an diesen Ort gelangt ist. Seltsamerweise erinnert er sich an alles, was mit seiner Welt zu hat, die explizit die unsere ist, das moderne Europa des 21. Jahrhunderts, aber er erinnert sich an nichts, was mit ihm selbst zu tun hat, so als hätte er keine Vergangenheit. Er wurde auch gut ausgestattet. In einem Rucksack und verteilt in der Höhle, findet er alles, was ein Reisender der Wildnis braucht: von Angelhaken bis zur Carbon Armbrust, von der 17schüssigen automatischen Pistole bis zum Sturmfeuerzeug. Und er findet ein überwiegend leeres Notizbuch, in welchem sich nur ein Auftrag findet: er soll eine gewisse Satara vernichten. Er kennt diese Person nicht, er hat auch nichts gegen sie und er wird diesen idiotischen Auftrag auch sicher nicht ausführen, er will nur eins: zurück in sein normales Leben. Nur weiß er nicht, ob er überhaupt jemals ein solches hatte.

Nach langer und entbehrungsreicher Wanderung durch ein wildes und unbewohntes Land, gelangt er in eine Wüste und trifft auf einen Mann namens Medelin, der zu seinem treuen und besten Freund wird. Gemeinsam reisen sie weiter nach Süden, zu einer Stadt namens Dhruum, die an den Ufern eines gewaltigen Süßwassermeeres liegt. Dort wollen sie sich einschiffen, um in die große Metropole dieser Welt, die Rikas heisst, zu reisen: nach Assilia Kattai. Auf ihrer Wanderung begegnet Yanthalbor - denn so nennt ihn sein Freund Medelin, indem er seinen wahren Namen Jan Talborg vereinfacht - einigen seltsamen Artefakten, die nicht in diese eher antike Welt zu passen scheinen; einer Welt, in der man seltsamerweise ein altertümelndes englisch spricht.

Die Stadt Dhruum jedoch, wird von einer gefährlichen Seuche gebeutelt, der "Roten Mader", die wohl schon fast die gesamte Bevölkerung dahingerafft hat. Sie retten sich als blinde Passagiere auf ein zufällig vorbeikommendes Piratenschiff, einer Art Dschunke und geraten damit aber prompt in einen mörderischen Sturm. Die Piraten wollen eine Gefangene opfern... eine junge Amazonin, die sich später als Yiriza herausstellt... und und und...

Ich will jetzt nicht zu viel spoilern, aber man ahnt schon: aus Yiriza und Yanthalbor wird ein Paar, und irgendwann wird Yanthalbor wahrscheinlich "nach Hause" kommen. Wäre da nicht der Autor im Weg, der sich eine Menge Irrungen und Wirrungen ausgedacht hat, immer neue Fragen auftürmt und uns am Ende mit einer eigenwilligen Lösung konfrontiert.

Besonderheiten: warum ist es ein ungewöhnlicher Fantasy Roman?


Ich weiß nicht wie viele Fantasy Romane einen Ich-Erzähler haben, aber diese Perspektive ist für das Genre wohl eher ungewöhnlich. Was aber auffällt, ist das völlige Fehlen von Merkmalen, die man in Fantasy Romanen geradezu erwartet. Es gibt keine Magie. Keine Zauberer, nicht einen einzigen, der wirklich zaubern könnte, á la Merlin, Gandalf & Co. Keine Fabeltiere, also keine Drachen, keine Orks, keine Einhörner. Es gibt auch keine seltsamen, intelligenten Rassen, wie Feen, Elfen oder sprechenden Steinhaufen. All diese märchenhaften Zutaten, die das Genre kennzeichnen, sind nicht vorhanden, auch keine magischen Schwerter, die irgendwen automatisch zum "Auserwählten" küren. Und doch ist es Fantasy, zumindest nach Aussage des Tolkien Experten Helmut W. Pesch, der als Merkmal in seinem Artikel "Fantasy und Intertextualität: Methodenprobleme in der Genretypologie" anführt: "Während die Welt der Science-Fiction, so phantastisch sie auch erscheinen mag, immer noch unsere Welt bleibt, hat die Fantasy mit der der anderen metaphysischen Gattungen gemein, dass es sich dabei um eine Welt handelt, 'in die man bloß durch einen Akt des Glaubens und der Phantasie hinüberwechseln kann' (Pesch, Fantasy 73; vgl. Suvin 28)". Nach dieser Definition handelt es sich bei Yanthalbor also definitiv um Fantasy, da die Welt Rikas nicht existiert, ganz eigene Gesetzmäßigkeiten aufweist, eine gänzlich von unserer aberrierte Historie hat und man in sie folglich nur durch ein "inneres Postulat" eintauchen kann. Alles andere an Yanthalbor fällt eher unter den Oberbegriff "Abenteuer Roman" und am Ende vielleicht sogar eine Prise SciFi.

Ich glaube, es lohnt sich durchaus, Yanthalbor eine Chance zu geben. Über das rein abenteuerliche hinaus, bietet diese Reiseerzählung auch interessante philosophische Ansätze zum Thema Ichfindung, Definition von Wirklichkeit und anderen Themen, die zu erwähnen jetzt aber zuviel gespoilert wäre. Dahin sollte schon jeder Leser selbst gelangen.

Anhang: Yanthalbor Links:

Yanthalbor Webseite
Autorenseite von Rael Wissdorf
Yanthalbor als Kindle Edition bei Amazon







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